(D)Angerbauten_2

 Wer die dramatische Unterfinanzierung der Christian-Albrechts-Universität beschreiben möchte, tut dies gerne am Beispiel der in den 1960er Jahren vom Kieler Architekten Ernst Stoffers und Otto Schnittger geschaffenen Angerbauten.

Die Angerbauten umfassen sechs Gebäude und damit etwa 20.000 Quadratmeter Fläche, auf der gelehrt und geforscht werden soll. Die Idee war, Institutsbauten mit je einem Hörsaal um einen durchgrünten, zentralen Platz zu errichten. Damals konnten sie durch Anordnung und Bauweise zu den modernsten Universitätsbauten in der Bundesrepublik gezählt werden.

Doch das ist lange her und so nagte der Zahn der Zeit nicht nur an ihrer Fassade. Als die Landesregierung das Sondervermögen zur Hochschulsanierung in Höhe von 165 Millionen Euro einrichtete, war schnell klar, dass die Angerbau(D)Angerbautenten zu den dringlichen Sanierungsfällen auf dem Campus gehören werden. Ihrer Instandsetzung wurden zwölf bis 15 Jahre eingeräumt. Eine Frist, mit der man arbeiten konnte. Aber warum wurden sie nun zur Gefahr auf dem Campus und damit zum Politikum?

Aus einem Gutachten des Gebäudemanagements Schleswig-Holstein (GMSH), das dem AStA vorliegt, ergaben sich neue Herausforderungen. Schon von außen waren Schäden erkennbar: Risse, fehlende Dehnfugen und defekte Mörtelfugen. Nach Öffnung des Mauerwerkes zeigten sich sehr unterschiedlich dicke Luftschichten, die teilweise sandig oder mit losen Steinen verfüllt wurden. Schlecht verblendet, schlecht vernadelt. Kurz: eine böse Überraschung.

Das Ergebnis einer darauffolgenden statischen Berechnung fiel niederschmetternd aus. Das in Deutschland notwendige Sicherheitsniveau wird nicht erreicht. Es ist zu befürchten, dass die Fassaden die Windlasten nicht aufnehmen können. Es besteht eine konkrete Gefahr des Versagens der Bauteile.

Wie gegenwärtig diese Gefahr ist, zeigte sich bereits Anfang Januar. Sturmbedingt mussten die Angebauten gesperrt werden. Und da das Problem in der Fassade liegt und diese droht, Menschen und Gebäude im Umfeld ebenso zu schaden, wurden nicht nur die sechs betroffenen Angerbauten geschlossen. Insgesamt fiel der Lehr- und Lernbetrieb sowie die Forschung in zwölf Gebäuden aus.

Kiel ist keine Stadt der lauen Lüftchen und sanften Brisen. Wir brauchen eine sturmfeste Uni!2Angerbauten2

Konsequenz des Gutachtens der GMSH ist, dass die Angerbauen bis 2020 saniert sein müssen. Sonst erfolgt die endgültige Schließung. Für Land und Universität bedeutet das, die ursprüngliche Sanierungsdauer von zehn bis 15 Jahren, auf fünf Jahre zu reduzieren. Das ist nicht nur eine bedeutende organisatorische Mehrbelastung, sondern auch eine finanzielle.

Mittlerweile steht ein Konzept zur Sanierung. Und nach langen und lauten Protesten wurden von der Landesregierung auch die zusätzlich notwendigen 50 Millionen Euro zugesagt. Grund zum durchatmen, aber noch nicht zur Entspannung. Denn woher diese Finanzierung genau stammen wird, ist noch nicht klar.

Im Frühjar 1963 legte der Kultusminister des Landes Schleswig-Holstein Osterloh den Grundstein für die Angerbauten mit den Worten „Ich widme diese Institute dem Fleiße, der Phantasie und dem Verantwortungsbewusstsein“. Welch‘ Ironie.

Von Lasse Petersdotter

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